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Die Story geht irgendwann weiter. Von unten nach oben lesen!

Dienstag, 24. Juli 2012
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der.....

Sehr geehrter Herr Fenzelschneuz,

erlauben Sie bitte, mich vorzustellen - mein Name ist Frau Dr. Killekille. Ich war mit meiner Freundin Marie gestern Morgen auf ihrem Hof - wie sie sich hoffentlich erinnern mögen. Ich weiß nicht warum sie bei unserem Anblick ohnmächtig wurden, wir hoffen aber beide sehr, dass es Ihnen wieder besser geht.

Das Ganze beruht sicher auf einem großen Missverständnis, das ich gerne so schnell wie möglich aufklären möchte, denn das Anliegen, das wir Ihnen vortragen wollten, ist von größter Wichtigkeit und sollte daher nur in einem persönlichen Gespräch erläutert werden.

Ich bitte Sie daher sehr höflich, uns erneut die Gelegenheit zu geben, Sie aufzusuchen. Wenn irgend möglich, so teilen Sie mir doch bitte baldigst mit, ob und wann es Ihnen am besten passen würde. Ich richte mich da selbstverständlich ganz nach Ihnen.

In der Hoffnung auf eine baldige Nachricht vom Solhof verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Dr. S. Killekille


"Ja", sagte Marie,"so kannst Du den Brief abschicken. Gib' mir einen Umschlag, dann bringe ich ihn gleich ins Dorf zu Frau Tüffel damit er heute noch rausgeht."

Marie und Frau Killekille hatten sich gleich nach dem verspäteten Frühstück daran gemacht, den Brief an Bauer Fenzelschneuz zu verfassen. Jetzt war es schon kurz nach elf und Frau Killekille gab Marie zur Antwort:"Das kannst Du gerne machen, aber es wäre vielleicht nicht schlecht, wenn Du Dich noch waschen und anziehen würdest, bevor Du den Brief aufgibst." Marie schaute erst ihre Freundin und dann sich selbst verdutzt an, lachte dann herzhaft und sagte,"Gott ja, durch die ganze Aufregung bin ich ganz durcheinander und ich wäre jetzt glatt im Morgenmantel zu Frau Tüffel geradelt." Frau Killekille prustete bei dem Gedanken und gab zurück,"dann wärst Du schon heute Nachmittag bis nach Dwillingsöd bekannt wie ein bunter Hund."

Frau Tüffel, die Betreiberin des einzigen kleinen Ladengeschäftes in Frau Killkille's und Marie's Dorf namens Fritzing, war nämlich nicht gerade bekannt für große Diskretion. Wollte man, dass Informationen schnellstens in Umlauf gebracht werden, so kam man an der "Zentrale Tüffel" unter keinen Umständen vorbei.

Als Marie sich später gewaschen und frisch angezogen auf's Fahrrad schwang, rief Frau Killiekille ihr aus dem Grund auch noch folgendes hinterher:"Pass' auf, dass die Tüffel's die Adresse von Bauer Fenzelschneuz nicht zu lesen bekommt. Sonst schnüffelt die wieder nur in unseren Angelegenheiten rum."

"Ja,ja.....ich werfe den Brief eigenhändig in den Postkasten",rief Marie zurück und fuhr los. Was beide nicht wussten, Frau Tüffel hatte einen Schlüssel zum Postkasten - den hatte mal ein früherer Briefträger bei ihr versehentlich liegen gelassen und nie mehr danach gefragt - und so durchwühlte Frau Tüffel selbstverständlich die Post der Dorfbewohner täglich erst einmal gründlich, bevor am Nachmittag der diensthabende Postbeamte ihn offiziell leerte - wobei ihm Frau Tüffel immer mit einem lammfrommen Unschuldsgesicht zuschaute.....

Auf dem Heimweg wurde Marie von einem kräftigen Regenschauer überrascht, was ihr aber nicht viel ausmachte, denn sie liebte ihn sehr.....den Geruch von Herbstregen.

Dienstag, 17. Juli 2012
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten...

"Es ist so schwer immer allein zu sein", sagte Bauer Fenzelschneuz plötzlich ganz leise. Er saß vornüber gebeugt in seinem Ohrensessel, die Ellenbogen auf seinen Knien und den Kopf auf seine Hände gestützt.

"Es ist auch nicht immer leicht zu Zweit zu sein", antwortete ihm Herr Bissgewandt schmunzelnd und schaute Richard Fenzelschneuz dabei von seinem Schemel aus von unten ins Gesicht.

"Das weiß ich, aber ich würde so gerne für jemand da sein. Für wen oder für was rackere ich mich jeden Tag von Früh bis Spät auf meinen Feldern ab, hege und pflege meine Kühe, halte den Hof in Schuss? Jetzt bin ich schon über 40 Jahre alt und all' meine Energie und meine Lebensfreude verpuffen irgendwie sinnlos zwischen Misthaufen und Scheune. Dann will ich dem Ganzen endlich ein Ende bereiten, nehme all' meinen Mut zusammen, gebe diese doofe Anzeige auf und plötzlich stehen gleich zwei wunderschöne Frauen vor meiner Tür und ich kippe wie ein Depp aus den Latschen. Das verzeihe ich mir nie", sagte der Bauer und seufzte tief aus seinem Herzen.

"Nun sei mal nicht so streng mit Dir",sagte der Stallmeister Bissgewandt, "gleich zwei schöne Frauen können den stärksten Mann von den Füssen holen", er lachte dabei und sagte weiter, "wer waren denn die Beiden? Hast Du eine Ahnung?"

"Nein, sie standen einfach vor der Tür und sagten, sie kämen wegen der Anzeige und nach dem ich zusammenklappte und später dann alle Weiber, einschließlich Deiner Frau, hinaus geworfen hatte, waren sie verschwunden. Ich kann mich auch gar nicht mehr richtig an den gestrigen Morgen erinnern. Nur noch an einen Traum, in dem ich plötzlich einen himmlischen Duft vernahm und in zwei haselnussbraune, wundervolle Augen schaute. Alles andere habe ich irgendwie aus meinem Bewusstsein verdrängt. War ja auch so furchtbar peinlich", antwortete der Bauer.

"Schade", sagte Herr Bissgewandt, "würde doch gerne wissen, wer die Damen waren, aber noch ist ja nicht aller Tage Abend, denn hier hast Du noch einen ganzen Korb voller Briefe auf Deine Annonce. Komm' lass' uns die doch einfach mal aufmachen und lesen. Vielleicht ist ja die Richtige dabei und wenn nicht, dann wird das Leben Dir sicher einen Menschen schicken, für den Du da sein kannst, denn wenn man sich etwas so sehr wünscht wie Du, dann bekommt man es auch, da bin ich mir sicher".

"Ich weiß nicht", murmelte Herr Fenzelschneuz,"vielleicht sollte ich besser alleine bleiben. Ich habe doch so gut wie keine Erfahrung mit Frauen und würde mich sicher nur wieder blamieren."

"Ach Mensch Richard, jetzt lass' Dich nicht so hängen", sagte Herr Bissgewandt, stand dabei auf, gab Richard Fenzelschneuz einen Stups und holte den Korb mit den Briefen aus dem Flur", und im Reinkommen sagte er, "schau mal hier, den roten Umschlag, den machst Du jetzt mal auf!"

Bauer Fenzelschneuz hob wenig begeistert den Blick, nahm den roten Brief aber in die Hand und begann, ihn aufzureißen....und leise vorzulesen....

Liebes Bauer,
Deine Anseike hat mick sehr angesprecken. Meine Name ist Katinka, ich bin ein gut ersogenes und vleisiges Medchen aus die Polen und ich verstehe mick auch glenzent auf die Liebe.....

Gleichzeitig mit Bauer Fenzelschneuz verfiel der Stallmeister Bissgewandt in ein wieherndes Lachen aus dem beide ein paar Minuten lang nicht mehr heraus kamen.......sie lachten so sehr, dass dem Bauern sogar seine Waden - die er ja beim Laufen überanstrengt hatte - wieder schmerzten und er später sogar einen Hustenanfall bekam, aus dem ihn Herr Bissgewandt mit einem beherzten Schlag auf den Rücken befreien musste. Sie lachten Tränen dabei und dann umarmten sie sich plötzlich und Bauer Fenzelschneuz sagte:"Danke Erwin, ich bin ein Trottel. Mein Leben lang habe ich immer daran geglaubt, dass alles so kommt wie es kommen soll. Dieser Glaube ist mir in den letzten Wochen wohl irgendwie und warum auch immer abhanden gekommen, aber jetzt bin ich wieder der Alte und ich denke, wenn ein Mensch auf dieser Welt für mich bestimmt sein sollte, dann wird er mir irgendwann auch begegnen und wenn nicht, dann nicht."

"Das höre ich gerne Richard. Und wenn Du Dich mal ganz einsam fühlst, dann weißt Du ja, dass unser Haus Dir immer offen steht", sagte Herr Bissgewandt, schlug dem Bauern noch einmal freundschaftlich auf den Rücken und als sie sich verabschiedeten mussten beide schon wieder herzhaft lachen, als Herr Bissgewandt sagte:"Mach's gut, liebes Bauer oder besser "Liebesbauer"!"

Gleich danach setzte sich Bauer Fenzelschneuz auf seinen Traktor und fuhr zu seinem größten Acker, um die Erde mit dem Pflug aufzulockern. Es sah nach Regen aus und das war gut für seine Kartoffelsaat. Er pfiff dabei frohen Mutes das uralte Lied der Kartoffelbauern vor sich hin.

Schöne, braune Knollenfrucht
ich bin Dir so dankbar
wächst da in des Ackers Schlucht
bescheiden und so kostbar
was wäre ich nur ohne Dich
ein armer Bauer sicherlich
Schöne, braune Knollenfrucht
Du bist eine Wucht

Sonntag, 15. Juli 2012
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Solanum.....

Gleich nach dem Aufstehen und noch vor der Morgentoilette begab sich Frau Killekille in ihr Labor, welches sie sich schon vor einigen Jahren im Keller ihres alten Landhauses eingerichtet hatte. Sie stellte die fünf Kulturen - die sie am Abend vorher angelegt hatte - eine nach der anderen unter ihr Mikroskop. Die ersten beiden waren tot. Was heißt, hier hatte keine Reaktion stattgefunden. Bei der Dritten war sie sich nicht ganz sicher und so stellte sie diese erst einmal beiseite. Als sie dann die vierte Kultur unter dem Mikroskop betrachtete, zuckte sie so heftig zusammen, dass sie dabei fast die Petrischale zu Boden geworfen hätte. Sie stieß ihren Bürostuhl mit einem Tritt nach hinten weg, lief die Kellertreppe zwei Stufen auf einmal nehmend nach oben und schrie dabei kreischend Marie's Namen. "Mariiiiie! Mariiiiiiiie!"

Marie war gerade dabei, das Frühstücksgeschirr aus dem Küchenschrank zu nehmen und als sie Frau Killekille's Schreien vernahm, erschrak sie so sehr, dass sie eine der Tassen fast fallen ließ. Als Frau Killekille wild gestikulierend und weiterhin Marie's Namen schreiend in der Küche eintraf, war Marie gerade dabei, mit einer olympiareifen Verrenkung die Tasse im Fallen aufzufangen.

"Marieeee....komm' schnell mit in den Keller.....ich muss Dir was zeigen....Du wirst es nicht glauben....komm', komm' schnell" rief Frau Killekille mit rot glühenden Wangen ihr zu und schon hörte Marie sie wieder die Kellertreppe runterlaufen. Marie brauchte ein paar Sekunden, um dieses unerwartete Durchbrechen ihrer morgendlichen Trägheit überhaupt mal in ihr Bewusstsein einzusortieren. "Ich bin doch noch gar nicht richtig wach", dachte sie und schon hörte sie wieder Frau Killkille "Mariiiie!"" rufen. "Jaaaaaa", schrie Marie genervt zurück, "ich komme ja schon!" Sie stellt die Tasse auf den Tisch und ging schnellen Schrittes in den Keller. Hier fand sie Frau Killekille stehend über ihr Mikroskop gebeugt, während sie Marie mit der linken Hand hektisch heran winkte."Schau Dir das an! Schau Dir das an Marie!", sagte Frau Killekille völlig außer sich zu Marie und zog sie dabei direkt vors Mikroskop. Marie beugte sich darüber, drehte an dem Rädchen für die Vergrößerungseinstellung und als sie sah, was sie sah, schlug sie zuerst beide Hände vor den Mund, drehte dann ihren Kopf zu Frau Killekille, um sie kurz darauf wie wild zu umarmen und sie dann durch das Labor zu wirbeln. "Du hast sie Killchen, Du hast sie, Du hast sie", rief Marie bei ihrem wilden Gehopse immer wieder. Als beide dann ausgetanzt und an diesem legendären Morgen zum hundertsten Mal durch das Mikroskop geschaut hatten, beruhigten sie sich irgendwann einigermaßen und Marie sagte:"Komm' lass' uns jetzt endlich frühstücken und danach müssen wir dann sofort den Brief an Bauer Fenzelschneuz schreiben und das Durcheinander von gestern so schnell wie möglich aufklären!"


"Richaaaard! Richard bleib' doch endlich stehen", schrie der Postbote Paule Ackermann während er mit seinem Mofa neben dem Bauern Fenzelschneuz - der wie um sein Leben rannte - herfuhr, "Was ist denn in Dich gefahren? Bist Du verrückt geworden? Richaaard!" "Lasst mich doch alle in Ruheeeee", rief Bauer Fenzelschneuz zurück und er japste und schnaufte dabei wie ein alter Ackergaul. Sie waren jetzt fast schon in Schnözbeck und somit war er aus dem Stand heraus sechs Kilometer gelaufen. Nein falsch, er war nicht gelaufen, er war wie von der Tarantel gestochen gerannt und hatte sich dabei die Lunge aus dem Leib geschrien. "Richard, Du bekommst gleich einen Herzinfakt, wenn Du so weiter rennst. Komm' steig auf mein Mofa, ich fahre Dich wieder nach Hause und dann reden wir in Ruhe über alles", sagte Paule in ruhigem Ton zu ihm. Kurz vor dem Ortsschild "Schnözbeck" blieb Richard Fenzelschneuz dann wirklich endlich stehen. Allerdings weniger weil ihn das Gesprächsangebot von Paule Ackermann zur Besinnung brachte, sondern ganz profan, weil er nicht mehr rennen konnte. Er hatte mächtig Seitenstechen, seine Waden schmerzten, als seien sie mit glühenden Messern gespickt worden, sein Mund war vom Schreien trockener als die trockenste Wüste und seine Kehle brannte wie eine offene Wunde. Wortlos und mit hängenden Schultern setzte er sich auf den Gepäckträger des Mofa's und Paule Ackermann gab sofort Gas und fuhr den Bauern nach Hause.

Dort angekommen schlappte der Bauer in sein Haus, ging in die Küche und gerade als er mal wieder unter die Spüle langen wollte, hörte er die Stimme von Stallmeister Bissgewandt dicht neben sich. "Richard ich möchte Dir gerne helfen", sagte er und als Bauer Fenzelschneuz das hörte, da drehte er sich um und fiel Herrn Bissgewandt schluchzend in die Arme. Er nahm gar nicht mehr wahr, dass Paule Ackermann den Korb mit den Briefen in den Flur stellte, Herrn Bissgewandt freundlich zuwinkte und dann auf leisen Sohlen den Hof verließ. "Ist ja gut Richard, heul' Dich ruhig mal aus", sagte Herr Bissgewandt und klopfte dabei dem Bauern beruhigend auf den Rücken, "Komm' setz' Dich hier in Deinen schönen Ohrensessel und dann bringe ich Dir mal was zu trinken. Du hast doch bestimmt Durst." Herr Bissgewandt setzte den Bauern vorsichtig in den Sessel und weil Herr Bissgewandt sich gut auf dem Solhof auskannte, ging er zielsicher in den Keller und holte eine Flasche Apfelsaft herauf und reichte dem Bauern kurz darauf ein Glas davon. "Trink' in Ruhe aus und wenn Du wieder einigermaßen klar bist, dann können wir gerne mal über alles reden", sagte Herr Bissgewandt, rückte sich den gepolsterten Schemel, der zum Ohrensessel gehörte, heran und schwieg erst einmal......


Draußen auf den Feldern hatte zwischenzeitlich der Wind gedreht, Ackerstaub wurde aufgewirbelt und es sah nach Regen aus......

Samstag, 28. Januar 2012
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Solamum Tuberosum...

Irgendetwas schrillte grässlich laut in seinem Kopf und Bauer Fenzelschneuz zog daher stöhnend und im Halbschlaf das Kissen unter seinem Kopf hervor und drückte es sich so auf das Gesicht, dass er mit beiden Händen seine Ohren damit verschließen konnte. Durch die Daunenfedern wurde der schrille Ton zwar im wahrsten Sinne "abgefedert" und klang daher etwas gedämpfter, aber er war dennoch weiterhin hörbar. Es verging eine kleine Ewigkeit bis der Bauer realisierte, dass der Ton nicht aus seinem Brummschädel kam, sondern dass irgendwas von der unteren Etage seines Hauses hoch in seine Schlafkammer und durch das Kissen in seine Ohren dröhnte und ihn damit fast wahnsinnig machte. Er schmiss das Kissen mit einem Mal in die Zimmerecke und brüllte verzweifelt:"RUHEEEEE!"

Plötzlich hörte er vor seinem Schlafzimmerfenster eine Männerstimme seinen Namen rufen."Richaaaaard! Halloooo! Mach' endlich die Tür auf!!! Richaaaard!!!!
Richard Fenzelschneuz stolperte aus dem Bett, tapperte zum Fenster, schaute hinaus und sah den Postboten Paule Ackermann in seinem Garten umher laufen. "Was will der denn, spinnt der?", dachte der Bauer, öffnete das Fenster und streckte seinen Kopf raus. "Spinnst Du Paule? Was schreist Du hier so rum?", fragte er und tippte sich dabei an die Schläfe.
"Mensch Richard, da bist Du ja endlich. Ich klingele schon seit 20 Minuten an Deiner Haustür. Bist Du krank oder was ist los?"
"Nix ist los, ich komme gleich runter", sagte der Bauer unwirsch, ging zurück ins Zimmer und bemerkte erst jetzt, als er sich anziehen wollte, dass er ja noch vom Vortag angezogen war."Oh Gott, mein Leben wird langsam zu einem Chaos", dachte er und ging deprimiert ins Bad um sich wenigstens noch schnell die Zähne zu putzen und zwei Hände voll Wasser ins Gesicht zu werfen.

Als er dann endlich die Haustür öffnete, hielt ihm Paule Ackermann einen großen, geflochtenen Einkaufskorb vor die Nase. Der Bauer schaute unwillkürlich in den Korb und von dem was er sah, dachte er zuerst, es handele sich um bunte Schokoladentafeln. Seine Sinne waren wohl noch etwas verkatert, denn bei eingehender Betrachtung sah er, dass es sich um einen Korb voller bunter Briefumschläge in den verschiedensten Formaten handelte. "Mensch Richard, bin ich froh, dass Du da bist, sonst hätte ich mit dem blöden Korb auf dem Gepäckträger meine ganze heutige Zustellung bis zurück nach Schnözbeck machen müssen!"
"Ja, aber was.....für wen, ich verstehe nicht", stammelte Herr Fenzelschneuz. "Wie, was, wo", sagte Paule und lachte schallend, wie nur Männer in solchen Momenten lachen können, "das sind wohl alles Liebesbriefe für Dich." Paule überreichte dem verdatterten und saudoof drein schauenden Bauern den Korb und hielt sich dann den Bauch vor Lachen. Er wieherte so sehr wie ein Pferd dabei, dass sogar eine Stute im Galopp vom Hof der Bissgewandt's neugierig bis zum Ende der Koppel, die gleich an Bauer Fenzelschneuz' Haus grenzte, an geritten kam.

Richard Fenzelschneuz Gesicht war mittlerweile so rot wie eine Tomate und der Korb fühlte sich plötzlich so an, als habe er glühende Kohlen in den Händen. Reflexartig schmiss er ihn von sich, lief aus seinem Hof heraus auf die Feldstraße und schrie sich dabei die Seele aus dem Leib. Paule Ackermann schaute nun seinerseits saudoof, hörte abrupt auf zu lachen, schwang sich auf sein Mars-Mofa, startete es und fuhr dem Bauern hinterher.....

Frau Killekille und Marie verbrachten notgedrungen den weiteren Vormittag und Mittag in Schnözbeck, da der nächste Bus nach Dwillingsöd erst um 14.12 Uhr fuhr. So schlenderten sie gelangweilt durch das kleine Dorf, das außer einem Bäcker, einem Metzger und einem Landgasthof nicht viel bot, um sich vielleicht die Zeit zu vertreiben. Also gingen sie zur Mittagszeit, auch weil sie nun Hunger verspürten, in den "Gasthof Wilder Eber" und speisten dort einen vorzüglichen selbst gekochten Bohnen-Eintopf mit einer dicken Wurst und tranken je einen halben Liter "Schnözbecker Wildbier" dazu. Was ihnen beides, nach der ganzen morgendlichen Aufregung, hervorragend bekam. "Ich werde Herrn Fenzelschneuz einen Brief schreiben und das ganze Missverständnis aufklären", sagte Marie nach dem Essen. "Ja, tu das bitte Marie, denn wir müssen ja irgendwann unbedingt mal mit ihm über seine Äcker sprechen", antwortete Frau Killekille. "Komm wir zahlen", sagte Marie, "es ist 13.40 Uhr und bevor wir zum Bus gehen, holen wir uns noch ein paar schöne Bratwürste vom Metzger gegenüber für heute Abend mit. "Du denkst auch nur ans Essen", meinte Frau Killekille und lachte. Beide waren etwas angeschwipst und verließen nach dem Zahlen eingehakt und bester Laune den Gasthof, kauften Marie's Bratwürste und fuhren dann mit dem Bus nach Dwillingsöd und von dort dann mit dem Landbus weiter bis nach Hause. Es war 17.23 Uhr als beide Frau Killekille's Haus erreichten. Sie waren nun todmüde, kochten sich daher einen kräftigen Bohnenkaffee, aßen später noch die Bratwürste mit Bratkartoffeln und gingen bereits um 20.00 Uhr zu Bett.
Vorher legte Frau Killekille jedoch in ihrem kleinen, hauseigenen Labor noch einen Teil der Ackererde in eine Petrischale und träufelte eine Substanz darauf, die das später zu untersuchende Kartoffelacker-Präparat in seine einzelnen Bestandteile zerlegt. Das Ergebnis wollte sie sich gleich am nächsten Morgen unter dem Mikroskop ansehen. Nach diesem aufregenden Tag folgte dann für die beiden Frauen eine ruhige Nacht........

Donnerstag, 1. Dezember 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Solanum Tuberosum der...

Als Frau Killekille und Marie den Solhof so plötzlich verlassen mussten, standen sie erst einmal ratlos auf der kleinen Zufahrtsstraße und sahen sich um. Außer dem Pferdehof war weit und breit kein Haus zu sehen, nur Felder, Wiesen und Auen. Es war ja erst kurz nach zehn Uhr am Morgen und auf eine Busverbindung zurück nach Schnözbeck konnten sie um diese Uhrzeit nicht hoffen. "Was machen wir denn jetzt?", fragte Marie, "wir können ja nicht mal ein Taxi rufen." "Gute Frage, Marie. Wahrscheinlich werden wir zu Fuß nach Schnözbeck laufen müssen und von da sehen wir dann weiter. Ich möchte aber vorher unbedingt noch da hinten zu dem Kartoffelacker und etwas von der Erde einsammeln", antwortete Frau Killekille. Und so gingen sie etwa hundert Meter an der Feldstraße entlang bis zu einem kleinen Kartoffelfeld. Frau Killekille bückte sich, krempelte den Ärmel ihrer Bluse nach oben und grub ihren Arm bis zum Ellenbogen in die dunkelbraune Erde. Als sie den Arm wieder rauszog, hielt ihre Hand einen dicken Klumpen guter Ackererde, sie führte ihn an ihre Nase und sog den Duft tief in sie hinein. Dann stand sie auf und hielt Marie den Klumpen wortlos vor's Gesicht. Marie schnupperte ebenfalls daran und währenddessen sagte Frau Killekille:"Wusstest Du, dass die Kartoffel im Jahre 1756 erstmals großflächig auf Befehl von Friedrich dem Großen in Deutschland angebaut wurde? Er verhinderte damit eine sich androhende Hungersnot." Marie antwortete nicht gleich, denn der herrlich, natürliche Geruch der alten Ackererde hatte in ihr plötzlich wieder so ein Urgefühl erweckt und sie war geistig ganz woanders. "Mariiiiie! Hast Du gehört, was ich gesagt habe?", fragte Frau Killekille, "der alte Fritz hat die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel in Deutschland gemacht!" Marie schaute ihre Freundin verklärten Blickes an und sagte nur:"Bauer Fenzelschneuz tut mir leid. Er hatte so einsame Augen!" "Ach Mensch Marie, Du bist mal wieder ganz woanders, komm' lass' uns die Erde eintüten und dann nach Schnözbeck laufen", sagte Frau Killekille irritiert. "Man nannte den alten Fritz auch den Kartoffelkönig", sagte Marie plötzlich und schob leicht beleidigt hinterher, "als ob ICH das nicht wüßte." Und so marschierten sie dann wortlos die fünf Kilometer bis nach Schnözbeck.

Es war 21.43 Uhr, als der Bauer ausgeweint hatte und sich mühsam von seinem Melkschemel erhob. Sein Kopf dröhnte, seine Augen brannten und er war unendlich müde und fü<e sich vollkommen erledigt. Er streichelte seiner Heroldine über den schönen Kopf und küsste sie zärtlich zwischen die Hörner.
"Tut mir leid meine Dicken", sagte er dann liebevoll in die Kuhrunde,"Euer Bauer hat einen ziemlichen Durchhänger. Seid mir nicht böse. Bis morgen früh und schlaft gut."

Begleitet von den Blicken aus zwölf großen, schönen Kuhaugen verließ der Bauer den Stall, schlurfte mit hängenden Schultern zurück in sein Haus, ging sofort in seine karge Schlafkammer, legte sich so, wie er war, in vollem Bauernornat ins Bett und fiel auf der Stelle in einen komatösen Schlaf..... <

Samstag, 5. November 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Solanum Tuberosum der Welt

"Setz' Dich Richard!", sagte Frau Bissgewandt und gab dem Bauern Fenzelschneuz einen wenig freundlichen Schubs. Der Bauer geriet ins Straucheln und plumpste wieder zurück in seinen Ohrensessel. Mit ängstlichem Blick schaute er auf zu Frau Bissgewandt, die sich mit verschränkten Armen direkt vor ihm aufbaute."Was geht hier vor Richard, was suchen diese Frauleute hier und was hat es mit dieser Anzeige auf sich?", zischte sie und kniff dabei bedrohlich die Augen zusammen.

"Äh....ich.....das war so, Liselotte", umständlich quälte sich der Bauer die Worte aus dem Mund, kratzte sich am Kopf und rutschte unruhig auf seinem Sessel hin-und her. "Gute Frau, nun ist aber mal genug, sehen sie nicht, wie sehr sie Herrn Fenzelschneuz in Verlegenheit bringen?", schaltete sich plötzlich Marie dazwischen, "und was die Anzeige betrifft, das besprechen wir lieber mit Herrn Fenzelschneuz unter sechs Augen, denn das geht sie nichts an!"

Frau Bissgewandt wurde mit einem Mal puderrot, wendete ihren Kopf hin zu Marie und starrte sie feindselig an. "Was erlauben sie sich?", kreischte sie,"wer sind sie überhaupt und was haben sie mit dem armen Mann gemacht? Wenn sie nicht sofort den Hof verlassen, dann rufe ich die Polizei....jawoll....das tue ich am besten schon gleich auf der Stelle!", und schon rauschte sie in Richtung des Telefons davon.

"JETZT REICHT ES ABER! Hier ruft niemand irgendjemand! Herrgott-Sabalott-Nochmal!" schrie für alle überraschend der Bauer, stand auf und schlug dann mit der flachen Hand auf den Küchentisch."Seid ihr Weiber alle verrückt geworden? Auf was habe ich mich da bloß eingelassen? Nee, Nee, Nee und Du Liselotte bist doch selbst Schuld daran. Du wolltest doch, dass ich mir eine ins Haus hole und dann stehen plötzlich zwei vor der Tür. Nee,nee,nee.....ich brauche einen Schnaps!" Und der Bauer schob schlecht gelaunt Frau Bissgewandt zur Seite, taumelte auf wackeligen Beinen zu seinem Küchenbuffetschrank, nahm sich ein Wasserglas heraus, stellte es auf die Anrichte, öffnete den Spülbeckenunterschrank, langte tief hinein, es klackerte, Spüllappen fielen heraus und seine Hand tauchte wieder auf und hielt dann eine halbvolle, große Flasche mit hellgelbem Inhalt. Der Bauer zog den Korkpropfen ab, schmiss ihn hinter sich, es ploppte, er goß das Wasserglas bis zum Rand voll, stellte die Falsche hart auf die Anrichte, setzte das Glas an den Mund und kippte das Gebräu in einem Zug in die Speiseröhre. "HAAAAA! UUPSS! JA!, sagte er dann laut und knallte das Glas in die Spüle, "und jetzt alle Weiber raus hier, bevor ich mich vergesse!"

"Aber Richard", stammelte Frau Bissgewandt, "ich wollte doch nur....."

"RAUUUUUUUUUS!" schrie der Bauer Fenzelschneuz und in seinen Augen stand ein ungutes Flimmern und Glitzern.

Fluchtartig verließ Frau Bissgewandt das Haus und man sah sie am Küchenfenster vorbei den Weg zum Pferdehof in Rekordzeit überwinden. Frau Killekille und Marie schauten sich kurz an und verließen dann ruhig, aber flott das Bauerntheater. Jedoch nicht ohne beim Rausgehen,"Es tut uns wirklich leid Herr Fenzelschneuz, das ist alles ein Missverständnis",und,"Auf Wiedersehen", zu sagen.

"Verrückte Weiber", grummelte der Bauer in sich hinein und füllte sich dabei erneut das Glas und es sollte bis zum Abend nicht das letzte sein. Der Tag war sowieso für ihn gelaufen und auch für seine Kühe, die er erstmals in seinem Leben zu melken vergaß. Was sie allerdings nicht vergaßen und so "schriemuhten" sie am Abend so lange und herzzerreißend im Stall, bis der Bauer aus seinem Frauenrausch belämmert erwachte und über den Hof zum Stall zick-zackte, wo er dann mehr Milch ins Stroh und auf seine Gummistiefel molk, als in den Eimer. Die Kühe glotzen ihn dabei völlig verständnislos und auch vorwurfsvoll an und Herr Fenzelschneuz fühlte sich irgendwie schon wieder von Frauen gemaßregelt und beherrscht und schrie Heroldine, Paula, Sofie, Salinchen, Hillery und Geralda daher plötzlich aufgebracht an."Was glotzt ihr so blöd, ihr Flintenweiber? Habe ich jemals etwas von Euch verlangt? Neeiiin, aber dem doofen Bauern, dem wird alles abverlangt. Der hat ja auch sonst nix im Leben, der soll also froh sein, wenn er Euch drei Mal am Tag melken darf." Und plötzlich drückte der Bauer seinen Kopf an Heroldines mächtigen Leib und fing bitterlich an zu weinen......"Ihr doofen Weiber!" schluchzte er und es wurde ganz still im Stall.....

Sonntag, 16. Oktober 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Solanum-Tuberosum

In dem Moment, als Bauer Fenzelschneuz' stämmige Beine auf den Flurboden krachten, schnellten sein muskulöser Oberkörper und seine kräftigen Arme aus der Hüfte heraus wie ein Klappmesser dynamisch nach oben. Marie, die zum Zwecke der Wangenbeklatschung ja noch über ihn gebeugt war, fand sich unvermittelt in Bauer Fenzelschneuz' Armen wieder, ihren Kopf auf seiner linken Schulter hängend. Die Augen des Bauern waren unnatürlich weit aufgerissen und das Erste, was er direkt vor sich sah, war Frau Liselotte Bissgewandt, die auf den Eingangsstufen vor seiner Tür stand, die Hände in die Hüften gestemmt, den Mund weit geöffnet. Sie schrie dabei laut:"Neiiiiiiin!" Rechts von ihm nahm er eine weitere weibliche Person wahr. Diese hatte die Hände vor's Gesicht geschlagen und rief:"Oh Gott!" Da ihn irgendwas an seiner linken Schulter hinderte, sich weiter nach rechts zu drehen, blickte er, nun völlig irritiert, nach links und verfing sich mit seiner Nase in haselnussbraunen, weichen, lockigen Haaren und fühlte sich von deren himmlischen Geruch gleich wieder so benommen, dass er langsam die Augen schloss und sich wieder nach hinten gleiten ließ. Doch Marie hielt ihn reflexartig fest, hob ihren Kopf von seiner Schulter und schaute ihn an. Eine heiße Welle ungekannten Ausmaßes durchblitze zeitgleich seinen Körper, er öffnete die Augen wieder ganz, sein Körper straffte sich und er war mit einem Mal hellwach und hatte gleichzeitig das Gefühl in einem glitzernden Ozean lustig zu ertrinken."Wie schöööön!", stammelte er daher nur blöde, glotzte Marie mit offenem Mund an und gab dabei Laute von sich, die nicht von dieser Welt waren. Jetzt musste auch Marie sich kurz in die Wirklichkeit zurückrufen, denn sie hatte mit einem Mal das Gefühl gehabt, aus der Zeit geworfen zu sein und guckte daher nicht minder verdattert den Bauern an, wie der umgekehrt sie angaffte. Doch sie wurden beide rauh auf die kalten Steinfliesen zurück geholt, denn....

"Richard! Was ist denn hier in Gottes Namen los?" schrie völlig außer sich Frau Bissgewandt, stürzte von der Treppe in den Flur, fiel auf die Knie vor Herrn Fenzelschneuz, schob Marie unsanft zur Seite und nahm sein Gesicht in beide Hände."Was ist passiert? Geht es Dir gut? Richard? Sag' doch was!" schrillte sie. All' dies dauerte höchstens 30 Sekunden und die brauchte Frau Killekille, um aus ihrer Schockstarre zu erwachen, sich zu sammeln und folgendes laut und bestimmt in Richtung der ihr unbekannten Hyäne zu sagen:"Entschuldigen Sie bitte, mein Name ist Killekille und das ist meine Freundin Marie. Wir kamen hier her wegen einer Anzeige und als wir dies dem Herrn Fenzelschneuz vorhin sagten, da ist er in Ohnmacht gefallen. Wir konnten ihn noch grade so auffangen. Also schreien Sie hier nicht weiter so rum, sondern helfen Sie uns lieber, ihn wieder zum Stehen zu bringen."
"Anzeige? Welche Anzeige?" fragte Frau Bissgewandt mit immer noch misstrauischem Unterton, dabei weiter Bauer Fenzelschneuz' Wangen tätschelnd. Bevor Frau Killekille darauf antworten konnte, fand der Bauer plötzlich seine eigene Sprache wieder, klammerte sich an Frau Bissgewandt's Hals, drohte, sie dabei fast zu erwürgen und jammerte:"Liselotte!! Gut, dass Du da bist. Wo bin ich? Was ist hier los? Bin ich im Himmel?"

Frau Bissgewandt sagte nur:"Keine Ahnung, was hier los war, aber im Himmel bist du sicher nicht!" Und gleich danach befahl sie ihm, sich dabei seine Arme vom Hals schaffend,"Beweg' mal lieber Deine Beine. Ich will sehen, ob Du Dir was gebrochen hast!" Der Bauer, der immer noch nicht ganz im Hier und Jetzt angekommen war, verstand nicht gleich, was er tun sollte und blickte hilflos umher in drei verschiedene Augenpaare, die ihn gespannt anstarrten."Die Beine, Richard, beweg' die Beine!" rief Frau Bissgewandt und schüttelte ihn an den Schultern. Träge und zäh stieg die Realität wieder etwas in des Bauern Bewusstsein und er versuchte, sich zu erinnern, was Beine sind und wo er diese eventuell finden könnte. Irgendwas in ihm sträubte sich wohl noch dagegen, sich wieder ganzheitlich in seinem Flur einzufinden, denn er brauchte noch geschlagene zehn Minuten, um seine Gliedmaßen zu sortieren und, nachdem Frau Bissgewandt die Unversehrtheit seiner Beine festgestellt hatte, noch einmal eine kleine Ewigkeit, um sich, gestützt von drei Frauen, in seinen alten Ohrensessel zu schleppen. Dort hing er dann völlig ermattet und flügellahm rum, während in seiner Küche drei Frauen versuchten, sich auf ein Getränk zu einigen, das man ihm nun am Besten verabreichen sollte. Wie nicht anders zu erwarten, setzte sich Frau Bissgewandt durch und kam mit einem Glas schwarzen, heißen Tee zurück, in dem sich ein nicht unerheblicher Anteil Kartoffelschnaps befand.

Während Frau Killekille, Marie und Frau Bissgewandt um seinen Sessel herumstanden und ihn wie ein seltenes Tier anstarrten, trank Herr Fenzelschneuz' ihn brav aus und fühlte bald darauf auch seine Lebensgeister zurück kehren. Er drückte gedanklich den "Reset" Knopf und jetzt fiel ihm heiß auch der Auslöser für all' sein Ungemach wieder ein. Und schon wieder erfasste ihn ein leichter Schwindel. "Oh Gott, wie peinlich", dachte er, "wie komme ich aus der Sache hier nur wieder halbwegs gesittet raus?"

"Meine Kühe", rief er daher in die verdutzte Damenriege,"ich muss meine Kühe melken!" und schon war er auf den Beinen.
Er hatte allerdings seine Rechnung ohne die Wirtinnen gemacht, denn er sah sich unvermittelt drei Amazonen gegenüber, die sich mit verschränkten Armen vor ihm aufbauten und dreistimmig "Hier geblieben!" riefen........währenddessen fegte sich Geralda, des Bauern hofälteste Milchkuh, mit einem geübten Schwanzschwung ungerührt im Stall ein paar lästige Mistmücken vom Hintern.

Samstag, 8. Oktober 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Solanum-Tubero...

Gerade als Herr Fenzelschneuz im Begriff war, in sich zusammen zu sacken und dabei mit dem Kopf auf die alten Steinfliesen in seinem Flur zu dongen, griffen Marie und Frau Killekille ihm geistesgegenwärtig und beherzt unter die Arme und verhinderten so Schlimmeres. Ächzend unter seiner Last von 95 Kilo, ließen sie ihn so langsam am Türrahmen nieder sinken. Endlich saß er dann, den Kopf schlaff nach rechts hängend und ansonsten vollkommen weggetreten. Marie schüttele ihn an den Schultern und klatsche ihm mehrmals rechts und links kräftig auf die Wangen, aber Herr Fenzelschneuz flackerte nur mit den Augenlidern und stöhnte dazu. "Mein Gott Marie, was hat der denn?" fragte Frau Killekille besorgt. "Keine Ahnung", sagte Marie, "aber hol' bitte schnell mal irgendwo ein Glas Wasser, eine Decke und ein Kissen. Ich halte ihn solange fest!" Frau Killekille lief ins Haus und fand auch gleich hinter der ersten Tür rechts die Küche. Sie öffnete mehrere Schränke, fand dann ein Glas, füllte es mit Leitungswasser und lief damit zu Marie und sagte: "Hier schon mal das Wasser Marie, ich suche jetzt noch nach einem Kissen und einer Decke.""Ja Danke" antwortete Marie und schüttete gleichzeitig das Wasser in das, dem Herrn Fenzelschneuz entglittene Gesicht. Daraufhin bäumte sich sein Körper auf und er riss kurz und ungläubig die Augen auf, um drei Sekunden später erneut in sich zusammen zu sacken. "Herr Fenzelschneuz, Herr Feeeeenzelschneuz, hier bleiiiiben!",schrie Marie und ohrfeigte ihn erneut, nur diesmal mit noch mehr weiblicher Hartnäckigkeit. Derweil erschien auch Frau Killekille mit einem uralten, bestickten Sofakissen und einer müffeligen Schafswolldecke. "Hier Marie, was anderes habe ich in diesem Haushalt nicht gefunden. Das sieht mit hier alles sehr nach einer reinen Männerwirtschaft aus. Was sollen wir jetzt tun?"
"Roll' mal die Decke ein und leg' sie da vorne in den Flur" befahl Marie,"wir müssen versuchen, ihn flach hinzulegen!" Frau Killekille tat, was Marie sagte und mit vereinten Kräften zogen und zerrten sie das schlappe Mannsbild ein Stück in den Flur und ließen ihn dann sanft mit dem Kopf auf der Deckenrolle nieder. Marie nahm gleich seine Beine hoch und schob das dicke Kissen unter seine Waden. "Gleich kommt wieder Blut in seinen Kopf und dann wird er hoffentlich zu sich kommen", meinte Marie "und wenn nicht, dann müssen wir wohl einen Arzt rufen." Frau Killekille holte noch ein Glas Wasser und schüttete es dem armen Bauer Fenzelschneuz unerschrocken über den Kopf und Marie schrie weiterhin Herrn Fenzelschneuz Namen und schlug seine Wangen dabei windelweich.
"Waa? öömmrr? Aaarg.....mumpfffff....Neiiiin.....oh,oh,oh....." kaudawelschte plötzlich Herr Fenzelschneuz und öffnete zäh seine Augen. Diese glitten irr' zwischen Marie und Frau Killekille hin und her, er versuchte seinen Kopf zu heben und diesen dabei zu schütteln, sank aber sofort wieder auf die Deckenrolle zurück und sein Mund formte sich zeitgleich zu einem breiten Grinsen."Paaaradies!", murmelte er kaum hörbar und dann plötzlich lachte er völlig enthemmt und fing an zu singen:"Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau'n." Mit einem schmatzenden und schnalzenden Geräusch verabschiedete er sich hernach erneut in sein selbst gewähltes Koma. "Mein Gott Marie, wo sind wir hier bloß gelandet? Der ist doch völlig gaga!", sagte Frau Killekille leicht beunruhigt, "wir sollten einen Arzt rufen und uns dann im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker machen. Der Kerl ist mir nicht geheuer." Marie schüttelte jedoch nur den Kopf, schrie und schlug dabei weiter auf den Bauern ein und sagte:"Ach was, der ist harmlos und der wacht schon gleich auf. Vielleicht hat er sich gestern einen getüttelt oder zu viel in der Sonne auf seinem Feld geackert. Ich finde ihn irgendwie putzig und das alles hier höchst amüsant. Komm' lieber hier nach vorne und halte ihm mal die Beine steil in die Luft." Zwar nicht ganz überzeugt von Marie's Sicht der Dinge und zudem auch leise erstaunt über das Wort "putzig" aus ihrem Mund, hob Frau Killekille kurz darauf aber doch Herrn Fenzelschneuz' Beine auf und versuchte, sie mit beiden Händen in die Luft zu stemmen. Jetzt musste auch Frau Killekille plötzlich laut lachen und sie sagte:"Gott Marie, wenn uns jetzt jemand hier sehen könnte."

"Was ist denn hier los?", kreischte plötzlich eine wenig umgängliche Frauenstimme und vor Schreck fielen Frau Killekille Herrn Bauer Fenzelschneuz' Beine aus der Hand und sie krachten ungebremst auf die alten Steinfliesen.....irgendwo in der Ferne blökte ein Schaf.....

Montag, 26. September 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Solanum-Tube..

"Wann und ab wo fährt der nächste Bus nach Schnözbeck?" fragte Frau Killekille einen Bediensteten am Schalter des Dwillingsöder Busbahnhofes."Da müssen sie sich beeilen", sagte der freundliche junge Mann, "der Bus steht ganz vorne an Steig 2 schon zur Abfahrt bereit". Frau Killekille bedankte sich und winkte aufgeregt Marie zu sich heran, die ein paar Meter weiter wartete.
"Schnell Marie, der Bus fährt gleich schon ab!" Marie kam sofort und so hechteten sie zusammen zum Bus. Der Fahrer wollte gerade die Türen schließen, sah aber dann im rechten Außenspiegel, dass noch zwei Damen winkend und "Halt, Halt" rufend angelaufen kamen und so wartete er noch damit. Marie und Frau Killekille sprangen in den Bus, bedankten sich mehrmals beim Fahrer und plumpsten auf die nächstbesten, freien Sitzplätze. "Puh, das war knapp", sagte Marie, "wenn wir den Bus nicht mehr erwischt hätten, dann hätten wir zwei Stunden auf den nächsten warten müssen."Frau Killekille nickte nur und schaute aus dem Fenster, denn sie war heute irgendwie ganz benommen. Schon heute morgen beim Frühstück mit Marie überkam sie ein seltsames Kribbeln und sie konnte kaum etwas zu sich nehmen. Sie dachte an ihren geliebten, verstorbenen Vater und daran, dass sie vielleicht kurz davor war, das zu finden, wonach er sein Leben lang vergeblich gesucht hatte. "In ungefähr dreißig Minuten wirst Du es wissen", sagte Marie plötzlich, Frau Killekille's Gedanken wohl erahnend. "Ach Marie, ich fühle mich wie eine Siebzehnjährige vor ihrem ersten Rendevouz. Mir gehen schon den ganzen Morgen so komische Wellen durch den Körper und in meinem Magen sitzt ein Orchester und spielt Beethoven's Neunte rauf und runter." Marie lachte und tätschelte dabei beruhigend Frau Killekille's linken Unterarm. "Ich bin auch gespannt wie ein Flitzebogen, Killchen, aber sei nicht zu enttäuscht, wenn es sich als falsche Fährte herausstellen sollte", sagte Marie zu ihrer Freundin und ab da hing jede ihren eigenen Gedanken nach und sie sprachen nichts mehr bis zu ihrer Ankunft in Schnözbeck. "Schnözbeck Mitte", rief der Busfahrer und öffnete die Türen. Frau Killekille und Marie standen auf und Frau Killekille fragte den Fahrer, ob er den Solberghof kenne und wie man dort am besten hin kommen könnte. Der nette Busfahrer riet ihnen dazu, ein Taxi zu nehmen, da es nur eine einzige Busverbindung am späten Nachmittag dorthin gäbe und jetzt war es ja erst 08.30 Uhr. So stiegen die beiden aus und da sich gleich gegenüber der Haltestelle ein Taxistand befand, dauerte es nicht lange und sie saßen in einem elfenbeinfarbenen Taxi der Marke Opel, das von einem Fahrer gelenkt wurde, der sich ihnen mit "Guuden Tach, ich bin der Kalle, wo soll es denn hingeben meine Dämchen?" vorstellte. "Wir möchten zum Solberghof von Bauer Fenzelschneuz! Wissen Sie wo das ist?" fragte Marie. "Klar, kenne ich den", sagte Kalle, "aber was wollen zwei so nette Damen bei diesem verschrobenen Landwirt, wenn man mal fragen darf?" dabei stellte Kalle sein Taxameter ein und fuhr schon los auf die Hauptstraße. "Wir suchen etwas und wenn wir es dort finden, dann werden sie der Erste sein, der es erfährt" antwortete Marie leicht amüsiert. "Hmm", brummte Kalle unzufrieden mit der Antwort von Marie, war aber zu höflich, weiter nachzuhaken. Fünf Minuten später hielt er auch schon wieder an, Marie zahlte und stieg mit Frau Killekille vor dem wunderschönen, alten Solberghof aus. "Hoffentlich ist der Bauer auch anzutreffen", sagte Frau Killekille und nachdem sie Kalle verabschiedet hatten, gingen sie zielstrebig auf das große, hölzerne Tor zu.

Nachdem Bauer Fenzelschneuz frohen Mutes aus dem Bett gestiegen war, versorgte er zuerst seine Kühe, fuhr noch eine Ladung Heu vom Hof in die Scheune und holte danach die Tageszeitung aus dem Briefkasten. Dann ging er zurück ins Haus und als er sich dann gründlich gewaschen hatte, zog er seine gute Hose an und das neue hellblaue Hemd. Beides hing seit dem vergangenen Abend fein säuberlich auf Kleiderbügeln im Bad. Heute würde ja seine Annonce erscheinen und er wollte daher ab jetzt, so wie Frau Bissgewandt es ihm geraten hatte, jederzeit auf Damenbesuch eingerichtet sein. Vom Bad ging er direkt in die Küche, setzte sich, ein Lied von Freddy Quinn pfeifend, Kaffeewasser auf und stellte sich Brot, Butter und Himbeermarmelade auf den Esstisch. Es war 08.43 Uhr, er biss gerade genüsslich in sein Marmeladenbrot und schlug dabei mit der linken Hand die Zeitungsseite mit den Bekanntschaftsanzeigen auf, als er die Türglocke läuten hörte.
Verdutzt ließ er das Brot fallen, stand auf, ging zur Tür, öffnete sie und sah sich zwei attraktiven Frauen besten Alters gegenüber stehen. "Guten Morgen! Ja bitte?" sagte er und schaute dabei fragend von der großen Blonden zur kleinen Brünetten und wieder zurück."Wir kommen wegen ihrer Anzeige!" sagten Marie und Frau Killekille fast gleichzeitig.
Die Gesichtsmimik von Bauer Fenzelschneuz wechselte in den darauffolgenden Minuten sekündlich zwischen ungläubigem Staunen, doofem Glotzen, breitem Grinsen, verlegenem Rotwerden und ängstlicher Abwehrhaltung hin-und her und ihm stand dabei deutlich sichtbar folgendes auf der Stirn:"HILFE!"
Er hörte noch Marie sagen:"Ist ihnen nicht gut?" kurz danach verlor er das Bewusstsein.......

Dienstag, 13. September 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Solanum-....

Es war Freitagmorgen, 06.30 Uhr und Marie stieg, gerade aus dem Bett kommend, im Nachtgewand die Treppe zur Wohnküche hinab. Sie wollte, bevor sie sich wusch, schon einmal einen Kessel Wasser aufsetzen, denn sie brauchte heute morgen so schnell wie möglich einen starken, schwarzen Kaffee. "Nein, was habe ich ein verworrenes Zeug geträumt", dachte sie und schüttelte dabei den Kopf, "so was Verrücktes". Den Traum Revue passieren lassend ging sie ins Badezimmer und zur gleichen Zeit schwang Frau Killekille ihre Beine aus dem Bett und reckte die Arme mehrmals über dem Kopf. "Ein grünes Huhn das spricht", dachte sie, "wie kommt man nur auf so einen Käse? Davon muss ich Marie gleich beim Frühstück erzählen, die wird sich ömmelig lachen". Später, als beide angezogen und munter am Küchentisch saßen und sich bei herrlich duftendem Kaffee, selbst gebackenem Roggenbrot, bei, natürlich auch selbst gemachtem, Quittengelee und einem frischen Ei ihrer eigenen Hühner, von ihren aberwitzigen Träumen erzählten, da konnte man ihr Lachen bis zum hundert Meter entfernten Waldrand hören. "Wir beide sind schon wirklich etwas merkwürdig", meinte Marie lachend, "kein Wunder, dass die Leute im Dorf uns für zwei Kräuterhexen halten!" "Ja",prustete Frau Killekille,"unser Glück ist einzig, dass wir nicht mehr in Fancello di Cnois' Zeit leben, sonst hätten wir jetzt schon heiße Sohlen, wenn uns einer bei unseren Traumgeschichten zugehört hätte." Beide lachten, tranken dann noch eine Tasse Kaffee, räumten den Tisch ab und verließen das Haus, um zusammen mit dem Landbus um 08.10 Uhr nach Dwillingsöd zu fahren. Wobei Marie in der Stadtmitte ausstieg, denn sie hatte einige Besorgungen zu machen und Frau Killekille weiterfuhr nach Tuberstadt-Krombhaus, einem Vorort der Kreisstadt, wo sich das Landwirtschaftsministerium befand. "Diesen langweiligen Tag mit langweiligen Politikern und Landwirten werde ich auch rumkriegen", dachte Frau Killekille, denn sie verspürte wenig Lust darauf, wieder einmal zu versuchen, einen Saal voller Ignoranten von der Wichtigkeit ihrer agrarwissenschaftlichen Forschungen zu überzeugen. Schon seit Jahren stieß sie hier meist nur auf holzköpfige Ablehnung, da ihre Erkenntnisse ein vollkommenes Umdenken im Ackerbau erforderlich machen würden. Bis auf zwei treue Gefolgsleute, ein junges Ehepaar aus dem Dorf Alikanten, das auch heute wieder dabei sein würde, hatte sie bisher leider niemanden davon überzeugen können, wie wichtig es ist, alte Kulturpflanzen zu erhalten und wieder anzubauen. Die Argumente dagegen ( zu anfällig für Schädlinge), wogen die Argumente dafür ( unschätzbar wertvolle Inhaltstoffe und die Vermeidung saurer Ackererde ) anscheinend nicht auf und Frau Killekille vermochte irgendwie nicht die Mauer des Profitdenkens und des Starrsinns zu durchbrechen. Sie versuchte es aber trotzdem immer und immer wieder und da sie als Wissenschaftlerin ansonsten sehr geschätzt wurde, lud man sie auch immer wieder gerne zu solchen Veranstaltungen ein. Sie hielt daher ihre zwei vorgesehenen Vorträge gekonnt und professionell, plauderte zwischendurch angeregt mit Abgeordneten aus dem Landtag und mit einigen Menschen aus den verschiedensten Berufen in der Landwirtschaft. Endlich war es dann 17 Uhr und sie stieg erleichtert wieder in den Bus zurück nach Hause. Marie würde sie dort erst treffen, denn sie war schon mit einem früheren Bus gefahren und wartete zu Hause mit leckerem Kartoffelsalat und gekochten Rippchen, frisch aus der Dwillingsöder Schlachterei Pömmeller, auf Frau Killekille.

Bevor der Bauer Fenzelschneuz dann doch noch seine Zigarre paffte und über all' das nachdachte, was Liselotte Bissgewandt ihm so alles zu erklären versucht hatte, ging er pflichtbewusst zuerst in seinen Stall und melkte seine sechs Kühe, deren Euter schon fast zu platzen drohten."Tut mir leid, meine Lieben", sagte er laut im Stall,"Euer Bauer hatte was Wichtiges mit Liselotte zu bereden, weil er verrückt geworden ist und sich eine Frau ins Haus holen will. Eine Frau!! Könnt' ihr Euch das vorstellen?"Ob seine Kühe Heroldine, Paula, Sofie, Salinchen, Hillery und Geralda sich das vorstellen können, diese Frage blieb für diesen Abend leider unbeantwortet in einem Kuhfladen und in den hin-und her schwingenden Schwänzen seiner Kühe zurück, als der Bauer später den Stall verließ. Er schmaukte seine Zigarre, wälzte tausend Gedanken von einer Hirnhälfte in die andere und wieder zurück, erinnerte sich daran, dass er seine "gute" Hose aufbügeln und seinen zotteligen Bart noch schneiden musste. Als er diese Dinge erledigt hatte, ging er noch in den Keller und schnitt sich ein großes Stück einer luftgetrockneten Salami ab und oben in der großen Küche eine daumendicke Scheibe Kartoffelbrot und verzehrte beides mit Appetit. Dann ging er zu Bett und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf aus dem er am Morgen in bester körperlicher Verfassung aufwachte. Mit einem herzhaften "Huaaaa" gähnte und streckte sich der Bauer Fenzelschneuz aus dem Bett und das Erste, was er, warum auch immer, mit Klarheit dachte war:"Dieser Tag wird ein besonderer Tag!" Womit er Recht behalten sollte......

Sonntag, 11. September 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Solan-.....

Es wurde Abend und Frau Killekille und Marie saßen nun schon mehrere Stunden am Küchentisch und lasen konzentriert Zeile um Zeile der alten Bücher und der handschriftlichen Killekill'schen Aufzeichnungen, die Frau Killekille von ihrem Vater geerbt hatte. Der hatte sie wiederum von seinem Vater erhalten und sein Vater vom Vater seines Vater und so weiter. Wie alt die Dokumente wirklich waren, wusste daher niemand mehr so genau. Frau Killekille hatte sie einmal einem Fachmann für altes Schriftgut, Herrn Prof. Dr. Allazweng, gezeigt und der hatte die Bücher tatsächlich ins sechszehnte Jahrhundert verortet, eventuell seien sie sogar noch älter. Der Herr Professor wollte sie zur genaueren Untersuchung dann mitnehmen in sein Institut, aber das hat Frau Killekille abgelehnt, weil ihr mit den Büchern auch die Pflicht vererbt wurde, sie nie aus den Händen zu geben. Letztlich war es für Frau Killekille auch egal, in welchem Jahrhundert die Bücher geschrieben wurden, denn ihr ging es einzig und alleine um das, was drin stand. Jetzt suchten sie also schon den halben Tag nach dem Bindeglied zum Namen Fenzelschneuz, aber bisher hatten sie dieses noch nicht gefunden und je länger sie suchten, umso unsicherer wurde Frau Killekille und gerade als sie sich fragte, ob sie wirklich einmal einen ähnlichen Namen in diesen Papieren gelesen hatte, da schrie Marie:"Fancello di Cnoise!!! Ja, das ist er! Ich hab' ihn!!" Frau Killkille riss ihr das Buch mit dem Titel "Die Mannen des Ackers" aus der Hand und überflog aufgeregt die betreffenden Zeilen. Da wurde von einem spanischen Seefahrer mit eben jenem Namen berichtet und wie dieser wohl nach langer Reise wieder in seinem Heimathafen Alicante einlief. "Mensch Marie, ich könnte dich küssen, ja, das war der Name, den ich in Erinnerung hatte. Gott, was machen wir jetzt bloß? Gib' mir noch einmal die Zeitung mit der Anzeige bitte. Stand da irgendeine Adresse dabei, wo dieser Bauer zu finden ist?" Marie kramte die Zeitung unter dem Bücherstapel hervor und las sich die Kartoffelwerbung des Herrn Bauer Fenzelschneuz noch einmal genau durch. "Ja", sagte sie,"hier steht was vom Hof auf dem Solberg bei Schnözbeck. Die Gegend kenne ich Killchen, das ist nicht so weit, vielleicht etwas mehr als 20 Kilometer zu fahren.""Gut", sagte Frau Killekille, "heute ist es eh zu spät, morgen muss ich zwei Vorträge im Landwirtschaftsministerium halten. Das wird sich wieder den ganzen Tag hinziehen und ich kann das leider nicht absagen. So können wir frühestens erst übermorgen den Hof aussuchen. Mist, aber die zwei Tage werden wir uns wohl noch gedulden müssen.""Was sind zwei Tage bei einer Suche, die nun schon über 100 Jahre dauert, Killchen?" fragte Marie lächelnd.
"Da hast du allerdings Recht, Marie. Komm' wir machen uns noch eine dicke Stulle mit frischem Rübenkraut, ich brühe uns einen meiner berühmten Kräutertees dazu auf und dann gehen wir ins Bett, denn ich bin jetzt völlig erledigt.""Ja fein", antwortete Marie, "mir fallen auch bald die Augen zu."
So aßen Marie und Frau Killekille ihr einfaches, aber schmackhaftes Abendbrot und fielen später hundemüde, und auch wieder nicht, in einen unruhigen Schlaf voll surrealer Träume. In Frau Killekille's Schlafgemach kämpften in dieser Nacht unter anderem spanische Seefahrer mit Papierschleudern um ein grünes Huhn. Das Huhn konnte sprechen, lief immerzu im Kreis und rief:"Fancello di Bordello, so heißt bei uns der Bello!"
In Marie's Schlafzimmer ging es übrigens ähnlich bunt her......

Als der Bauer Fenzelschneuz zu Hause ankam, schaute er natürlich zu aller erst nach seinen "Muhliesen" und befühlte deren Euter."Ich komme wieder um sieben, meine Lieben", rief er beim Rausgehen aus dem Stall, ging dann in sein Haus und setzte den Wasserkessel auf die Herdplatte. Nach dem ereignisreichen Tag brauchte er jetzt einen kräftigen Tee und dazu genehmigte er sich heute mal eine dieser edlen kubanischen Zigarren, die ihm der Herr Bissgewandt vor zwei Jahren, zu seinem vierzigsten Geburtstag, geschenkt hatte.
Er setzte sich dazu entspannt in seinen ollen Ohrensessel und träumte so vor sich hin, ob und wer sich wohl auf seine Anzeige melden würde. Und als er sich so die verschiedensten Szenarien vorgaukelte, da traf ihn plötzlich ein heißer Gedankenblitz, der ihm folgendes zu Bedenken gab:"Bauer Fenzelschneuz, was machst Du, wenn sich wirklich eine Dame mit Dir treffen will? Wo gehst Du mit ihr hin, was erzählst du ihr? Und wenn sie dich fragt, wie du dir das alles so vorgestellt hast, was bitte schön antwortest Du ihr darauf? Hmmm? Darüber solltest du dir langsam Gedanken machen, Bäuerchen, denn du hast überhaupt keine Ahnung vom Umgang mit Frauen. Also lass' dir schleunigst was einfallen, sonst blamierst du dich wohlmöglich bis auf die Knochen!!" Kaum war dieser Blitz durch seine eben noch rosarote Gedankenwelt hindurch geschossen, da sprang Bauer Fenzelschneuz aus seinem Sessel auf, legte die Zigarre wieder ab, stellte die Herdplatte aus und rannte rüber zum Pferdehof der Bissgewandt's. "Liselotte mach' auf", schrie er vor deren Haustür, während er mit beiden Händen an die Tür klopfte, "Hilfe, ich brauche dringend Deine Hilfe!" Frau Bissgewandt kam gerade vom Wäschefalten aus dem Keller, als sie die Schreie vor ihrer Tür vernahm. Mit Herzklopfen lief sie zur Tür, öffnete sie und fand davorstehend ein Häufchen männlichen Elends von einmeterundneunundachtzig Länge. Wie Frauen nun mal so sind, erkannte Frau Bissgewandt sofort, um welche Art von Hilfeersuchen es sich hier nur handeln konnte und sie sagte daher nur mütterlich grinsend:"Komm' rein, ich habe mich sowieso schon gewundert, dass du nicht schon früher gekommen bist." Bauer Fenzelschneuz bekam dann doch noch seinen Tee, allerdings von Frau Bissgewandt, und nebenher einen Intensiv-Schnellkurs mit praktischen Anleitungen zum Thema "Gangbare Wege zur Eroberung des Mysteriums Frau". Zirka drei Stunden und fünf Tassen Lindenblütentee später, lämmerte Bauer Fenzelschneuz wieder nach Hause, bis unter die Schädeldecke vollgestopft mit ungeahnten Fallstricken, in die er hätte tappen können, gegen die er sich aber jetzt einigermaßen gewappnet sah. Auf was hatte er sich da bloß eingelassen?

Donnerstag, 8. September 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten Sol-...

"Marie, ich habe so eine Ahnung, dass wir dieses Mal wirklich doch fündig werden könnten", meinte Frau Killekille, "der Name, der Name!" Marie schaute nur neugierig ihrer Freundin hinterher, die, während sie sprach, von der Wohnküche in die gute Stube lief und dort nacheinander die Fächer ihrer Schrankwand öffnete, durchwühlte und wieder schloss. Marie wusste, dass man ihrer Freundin jetzt besser keine weiteren Fragen stellen sollte und so räumte sie den Tisch ab und spülte Teller und Besteck. Gerade als sie damit fertig war, kam Frau Killekille auch schon mit einem Arm voller alter Bücher und Mappen zurück und breitete alles auf dem Küchentisch aus. "Was suchst Du denn?", fragte jetzt Marie dann doch. "Frag' nicht, setz' Dich und hilf' mir, denn irgendwo hier, in meines Urgroßvaters Sammlungen und Aufzeichnungen, muss er sein.""Ja, aber weeeer denn", fragte Marie nun leicht ungeduldig."Fenzelschneuz, Marie, der Name, da klingelt was bei mir, denn den habe ich schon einmal so oder so ähnlich hier irgendwo gelesen.""Ach so", sagte Marie, "und ich dachte, allein die Kartoffelannonce wäre schon der Grund für Deine Rumrennerei!""Auch, auch", sagte Frau Killekille und fing hektisch an, die Bücher zu durchblättern und auch Marie nahm nun eine der abgegriffenen Mappen mit der Aufschrift "Chile" vom Stapel. Beim Aufschlagen der alten Kladde, strömte ihr ein eigentümlicher Geruch entgegen. Für einen kurzen Augenblick fühlte Marie plötzlich tausende Jahre altes Wissen und uraltes Leben in sich einfließen und gleichzeitig kam ein seltsam wohliges Gefühl gelassener Heiterkeit über sie. Als Reaktion darauf perlte Marie ein kleiner, fröhlicher Gluckser direkt aus dem Bauch in den Gaumen, den sie dann mit einem fast unhörbaren "Ohuifff" durch die Nase wieder ausstieß. "Was ist Marie", fragte Frau Killekille,"hast du was gefunden?" Marie schüttelte geistesabwesend den Kopf, sagte leise "Nein,Nein" und fing an, in den völlig vergilbten, losen Blättern aus dickem, weichem, Hand beschriebenem Papier, die sich vor ihr ausbreiteten, zu lesen...

Bauer Fenzelschneuz war zufrieden mit sich und der Dwillingsöder Welt. Die Anzeige war aufgeben, in zwei Tagen würde sie schon überregional erscheinen, er hatte sich ein sehr schönes, hellblaues Oberhemd gekauft, von dem die Verkäuferin meinte, es passe herrlich zu seinen blauen Augen. Danach holte er beim Schuster in der "Drakegasse" noch sein einziges Paar schwarzer Ausgehschuhe ab, das er vor Monaten einmal zur Reparatur dorthin gebracht hatte, was ihm aber heute erst wieder einfiel. Und von dort aus schlenderte er zum Marktplatz und setzte sich, da er so ungewohnt gute Laune hatte, erstmals in seinem Leben in ein Eiscafé und verzehrte mit genussvoll geschlossenen Augen einen riesigen Becher Vanilleeis mit heißen Kirschen und einem dicken Klops Sahne.
Als er am frühen Nachmittag voll bepackt auf seine alte DKW stieg, um nach Hause zu fahren, da fühlte er eine unbestimmte Vorfreude in sich hoch krabbeln. Etwas an der tiefsten Stelle seiner Seele rührte sich und gab ihm einen Augenaufschlag lang den Blick frei auf eine Ahnung, was ihn in naher Zukunft erwarten würde. So pötterte Bauer Fenzelschneuz an diesem Nachmittag auf seinem Motorrad singend und pfeifend gemütlich über die Landstraße nach Hause in eine Zukunft, die ihm plötzlich urtümlich rosig vorkam.

Fortsetzung folgt......

Dienstag, 6. September 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und ihrer Suche nach der šltesten...

"Mein Gott, hast Du mich jetzt erschreckt",rief Marie und fasste sich dabei ans Herz,"was ist denn in dich gefahren?" Frau Killekille riss die "Forellenzeitung" vom Stuhl, schleuderte sie in einem Schwung Marie vor die Nase und direkt auf deren Teller voller Fischgräten. Bevor Marie etwas sagen konnte, tippte Frau Killekille wie wild auf eine Anzeige am unteren, rechten Rand der aufgeschlagenen Zeitungsseite."Hier lies'!" rief sie dabei ganz aufgeregt. Marie, immer noch benommen von der plötzlichen Unterbrechung ihres Tagtraumes, setzte sich zerstreut ihre Lesebrille auf die Nase und fokussierte ihren Blick auf den Tippfinger ihrer Freundin. "Ja,ja! Jetzt nimm' mal den Finger da weg, damit ich in Ruhe lesen kann", sagte sie und zog die Zeitung näher zu sicher heran. "Lies' laut vor!", rief Frau Killekille mit sich überschlagender Stimme.

"Magst Du gern Eier frisch und prall, dann hole sie in jedem Fall, aus "Bauer Klöselmeier's" Hühnerstall!" Öffnungszeiten unseres Hofladens: Montag bis Frei.......
"Was liest Du denn da Marie?",schrie Frau Killekille,"nicht das, sondern das hier sollst Du doch vorlesen!" und wieder tippte Frau Killekille wild auf den unteren, rechten Zeitungsrand.

"Du machst mich ja auch ganz kirre mit Deiner Rumfuchtelei" sagte Marie leicht beleidigt und hob erneut die Zeitung vor ihre Augen. An deren Rückseite waren zwischenzeitlich übrigens einige Forellenleichenteile von Marie's Teller eine unschöne Symbiose mit dem, bereits an der Zeitung haftenden, Forellenfett eingegangen.
"Bauer Fenzelschneuz war wieder wacker auf dem Acker und verkauft nun seine guten Erdkartoffeln, groß wie Filzpantoffeln! 1 Zentner = 8,-Mark!", las Marie nun laut und deutlich, schaute dann fragend auf zu ihrer Freundin und sah einen heftig nickenden Kopf und zwei, sich darin befindliche, vor Aufregung glühende Wangen und darüber zwei weit aufgerissene Augen. Hätte sie Frau Killekille nicht schon ewig gekannt, so hätte sie sich jetzt gefragt, wie sie dieser Irren schnellstmöglich und schadlos würde entkommen können, aber so sagte sie nur:"Mensch Killchen, ja, das könnte sie sein. Wenn das mal kein Wink mit dem Lattenrost ist!" ....

Die Kühe trugen keine rosa Gummstiefel und sie sangen auch keine Seemannslieder, als der Bauer Fenzelschneuz die Stalltür an diesem Morgen öffnete. Sie standen im Stall so wie immer und schauten ihn aus ihren großen, gutmütigen Augen an und Bauer Fenzelschneuz begrüßte sie so wie immer mit "Guten Morgen meine braunen, dicken Muhliesen" und molk sie hernach, mit routinierter Hand, so wie immer, aber irgendetwas war doch anders als all' die Jahre, Monate und Tage in der Vergangenheit. Denn heute hatte er etwas, für seine Verhältnisse, Abenteuerliches vor. Dazu musste er in seine Kreiststadt Dwillingsöd fahren, um dort die Anzeigenannahmestelle des "Dwillingsöder Tagblattes" aufzusuchen. Der Herr Bauer Fenzelschneuz wollte seinem Alleinsein und den komischen Herbstbettgewälzereien nämlich endlich ein Ende bereiten. Er hatte es sich gut überlegt und da es das einzige Parkett öffentlicher, zwischenmenschlicher Kontaktaufnahme war, auf dem er sich wenigstens ein klitzebisschen auskannte, denn außer auf einen Plausch bei seinen Nachbarn, den Bissgewandt's, und zu Einkäufen in der Kreistadt verließ er sonst nie seinen Hof, war er daher nun fest entschlossen, eine Bekanntschaftsanzeige aufzugeben. Eine Anzeige mit folgendem Text: Bauer Fenzelschneuz ist zwar immer wacker auf dem Acker und hat auch gute Erdkartoffeln, groß wie Filzpantoffeln, doch oft fühlt er sich sehr allein und er mag es nicht mehr sein. Er wünscht daher von ganzem Herzen, ein Mädel sich zum Kuschelscherzen."

Ja.....und was der Bauer Fenzelschneuz sich mal vorgenommen hatte, das machte er dann in der Regel auch.

Fortsetzung folgt......

Dienstag, 6. September 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und Ihrer Suche nach.....

Während Bauer Fenzelschneuz völlig verwirrt und gleichzeitig auch sonderbar belebt wieder nach Hause schlappte, saßen, nur etwa vierundzwanzigtausend Meter Luftlinie entfernt, Frau Killekille und ihre beste Freundin am blitzeblanken Esstisch in Frau Killekille's heimeliger Wohnküche und unterhielten sich, wie schon so oft, über Frau Killekille's Lieblingsthema.

"Ach Marie", sagte Frau Killekille, zu Ihrer Freundin gewandt,"Ich glaube, es wird das letzte Jahr meiner Suche sein. Ich werde sie niemals finden! Nun habe ich schon so ziemlich überall in der Gegend rumgebuddelt, aber "sie" war nie dabei! Ich weiß nicht, wo ich jetzt noch suchen soll."
"Jetzt gib' nicht mitten drin auf", sagte Marie,"Komm' iss' erst einmal was. Ich habe uns vom Fischer Schlämmes eine frisch geräucherte Forelle mitgebracht, die wird dich auf andere Gedanken bringen." Schon legte Marie eine hübsche Tischdecke auf den Tisch, nahm Teller und Besteck aus dem Küchenschrank, rollte die herrlich duftende Forelle aus einem Stück Zeitungspapier und fing gleich an, diese fachgerecht zu filetieren. Frau Killekille holte dann noch etwas Meerrettich aus dem Keller, nahm die zwei Schnapsgläschen und die Flasche selbst gebrannten Holunderschnaps, die immer griffbereit auf der Anrichte standen, schenkte ein, reichte ein Gläschen ihrer Freundin, nickte ihr zu und kippte den Schnaps in einem Guss in ihre Kehle. Das Gleiche tat Marie und nach einem herzhaften "Hach!", verzehrten sie genussvoll schweigend die Forelle. Gedankenverloren blätterte Frau Killekille dabei in der fettigen Forellen-Einwickel-Zeitung, die noch auf dem Stuhl neben ihr lag. Und gerade als Marie mal wieder darüber nachsann, was wohl aus ihr geworden wäre, wenn sie vor einigen Jahren, anstatt mit ihrer Freundin hierher auf's weite Land zu ziehen, doch dem unermüdlichen Werben und Drängen von Heinz-Peter Buschlowski nachgegeben hätte und mit ihm nach Oberreitlingshausenbeck gezogen wäre....also gerade, als Marie in Gedanken mit Heinz-Peter winkend in seinem Opel Kadett davon fuhr, schlug Frau Killekille mit der flachen Hand auf den Tisch und stieß dabei ein kerniges "HA-HAAA!" aus........


Bauer Fenzelschneuz schlief in dieser Nacht noch unruhiger als sonst. Allerdings war diese Unruhe doch anders als das, was er bisher kannte. Bunte Blitze jagten durch sein Gehirn und er träumte davon, dass seine Kühe ihn morgens in rosa Gummistiefeln im Stall stehend begrüßten und dabei "Seemann lass' das träumen" muhten und davon, dass seine Kartoffeln von selbst aus dem Acker in die Scheune hüpften und ihn dort dann bis zur Erschöpfung lustig durch kitzelten. Als er am frühen Morgen von seinem eigenen Lachen erwachte, da war aus seinem Bettzeug Fussbodenzeug geworden und er fuchtelte im Halbschlaf immer noch mit den Armen in Kartoffelabwehrhaltung rum, giggelte und prustete und rief:"Aufhören! Ich bekomme keine Luft mehr! Hiii,hiiii,hiiii, huuu, huuuuu! Schluss jetzt ihr Kribbelcher! Ich muss jetzt die singenden Kühe melken....ha,haaaaa!"
Gut, dass wenigsten Herr Riedelstitz, der Hahn des Hofes, die Ordnung wahrte und laut kikerikiete, sonst wäre der Bauer Fenzelschneuz vielleicht nie mehr aufgewacht, weil seine eigenen Kartoffeln in verkitzelt hätten und niemand hätte je erfahren, wie völlig abgedreht und lustig er zu Tode kam. Aber so erwachte der Bauer, zwar völlig gerädert, aber voll nie gekannter guter Laune und kaum war er geistig wieder in der Wirklichkeit angekommen, kam ihm eine, wie er fand, super-tolle Idee.

Fortsetzung folgt..........

Dienstag, 6. September 2011
Die Geschichte von Frau Killekille und...

Es war im Frühherbst eines lang vergangenen Jahres als sich der Bauer Fenzelschneuz müde in seinen großen, alten Ohrensessel fallen ließ, in dem vor ihm sein Vater, sein Großvater und auch sein Urgroßvater schon gesessen hatten. Es war ein guter und irre bequemer, riesiger Sessel, in den man sich herrlich einkuscheln und dabei alle Mühsal vergessen konnte. Der Bauer Fenzelschneuz hing, die Arme rechts und links über die Armlehnen ausgebreitet, meistens allerdings mehr in diesem alten Sessel, als dass er saß, denn er war nach getaner Arbeit meist so erledigt und so müde, dass er es gerade noch schaffte, seine großen, dickledernen, alten Ackerschuhe von den Füssen zu steifen. Er war gerne Bauer, der Bauer Fenzelschneuz, und ein fleißiger und guter dazu. Er liebte es immer noch zu jeder Jahreszeit, früh morgens aufzustehen und der Natur beim Aufwachen zuzusehen. Den honiggelben Morgendunst auf seinen Feldern im Herbst und den dazu gehörenden Duft von uralter, satter Ackererde begrüßte er mit einem weisen Kopfnicken. Die weiß-blauen Nebelschleier und die Stille der Natur im Winter empfing er mit einem gutmütigen Brummen. Dem ungeduldigen, frechen Hellblaugrün des Frühjahres und dem Zwitschern der ankommenden Vogeltouristen schenkte er sein breitestes Grinsen. Und der früh morgendlichen, strahlenden Sommerlichtwärme und dem Glitzern der Nachtgewittertropfen auf seinen Feldern rief er oft ein fröhlich-beherztes "Guten Morgen, meine Schatzekinder!" zu. Ja, der Bauer Fenzelschneuz war wirklich mit Leib und Seele seinen Feldern und Tieren verbunden und er konnte ganz gut und auskömmlich von seiner Arbeit leben. Er war auch nicht ganz unpfiffig. So schaltete er regelmäßig Anzeigen in den regionalen Dorfzeitungen mit folgendem Text:"Bauer Fenzelschneuz war wacker auf dem Acker und verkauft nun seine guten Erdkartoffeln, so groß wie Filzpantoffeln! Ein Zentner = acht Mark!" Ja, er war zwar von einfachem Gemüt, aber nicht undumm und er liebte seine Arbeit, aber trotzdem, gerade jetzt, in der sehr arbeitsreichen Erntezeit, träumte er doch ab und an, ganz insgeheim, von einem anderen Leben. Wie genau das aussehen sollte, wusste er allerdings auch nicht. Es kribbelte und kitzelte halt nur, meist im Herbst, etwas in seinen Adern. So was Unbestimmtes zuppelte dann längere Zeit an seinem Kartoffelherz herum, das ihm sagte, es gäbe noch mehr Schönes auf der Welt, als seine Felder und Tiere. Da er mit niemandem darüber sprechen konnte, denn er war ganz alleine auf seinem Hof, wälzte er sich nächtens im Herbst manchmal tagelang in seinem dicken Daunenbett und verschlief dann ab und an sogar das Kühemelken, was ihm sonst das ganze Jahr über nicht passierte. Der Herbst war von daher nicht die beste Zeit für Bauer Fenzelschneuz und weil das schon einige Jahre so ging und er keine Ahnung von solchen Schlafkrankheiten hatte, wollte er nun mal bei seinen Nachbarn, der Familie Bissgewandt, auf dem Pferdehof vorbeischauen und um Rat fragen. "So geht das nicht weiter", dachte er und so ächzte er sich schwerfällig hoch aus seinem Ohrensessel, schluppte in seine Hausschluppen und ging so, an seiner Kuhweide vorbei, die knapp hundert Meter bis zum Pferdehof.
"Was gibt es da lang und breit zu deuteln? rief Frau Bissgewandt schon nach kurzer Zeit, als Bauer Fenzelschneuz gerade mal anfing, von seinen Unpässlichkeiten im Herbst zu erzählen."Liselotte, unterbrich' ihn doch nicht gleich!" sagte Herr
Stallmeister Bissgewandt, "er ist doch noch gar nicht fertig mit dem Vortragen seiner Nöte." "Ach Blubberlabubb! Ihr Mannskerle habt doch keinen Schimmer! Bauer Fenzelschneuz ist alleine und im Herbst setzt ihm das eher zu, weil er da nicht mehr soviel zu tun hat und die Tage wieder kürzer und dunkler werden. Das ist alles! Heijajei und deswegen quält er sich nun schon seit Jahren, anstatt dass er was dagegen unternimmt. Da sind ja unsere Gäule intelligenter!"

Etwas belämmert, sprachlos und fragend schauten sich Bauer Fenzelschneuz und Herr Stallmeister Bissgewandt sodann minutenlang an, bis Bauer Fenzelschneuz seine Muttersprache wiederfand und folgende Frage zögerlich, in Richtung der Gattin des Stallmeisters, in den Raum schubste:"Und nu?"
"Und nu? Und nu?", echote Frau Bissgewandt,"Nu suchst Du Dir halt eine!"
"Eine was?" fragten gleichzeitig der Bauer und der Herr Stallmeister.
"Ja ist es denn die Möglichkeit? Eine Frau natürlich!", rief kopfschüttelnd Frau Bissgewandt, "Wie kann man nur so begriffsstutzig sein, wie ihr beiden? Heijajeijeijei!!"

"Eine Frauuuu?" entfuhr es zur gleichen Zeit den offenen Mündern zweier mittelprächtiger, Wetter gegerbter Mannsbilder und sie sahen dabei nicht wirklich gut aus.

Fortsetzung folgt.......

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